Schönsein vs. Einzigartig-Sein (Aussehen)

Die letzte Zeit habe ich mich stark mit dem Thema "Schönheit" beschäftigt. Ich habe das Buch von Tine Wittler gelesen: Wer schön sein will, muss reisen. In diesem Buch reist die Autorin nach Mauretanien, dem Land der runden Frauen. Traditionell gilt dort eine dicke Frau als schön, je dicker desto besser.
In Mauretanien führte das Ideal dazu, dass früher bereits kleine Mädchen gemästet wurden, nur damit sie ein gutes Leben im gesellschaftlichen Sinne bekommen würden (Heirat, Familie). Heute ist der Zwang zum Dicksein weniger ausgeprägt, aber latent noch vorhanden. Dicke Männer hingegen, die will niemand.

Dass die maurentanischen Frauen äusserst stark und selbstbewusst sind, das lernt eine in diesem Buch auch, ebenfalls wie reich die mauretanische Kultur ist. Die Lektüre lohnt sich auf jeden Fall!

Für Tine Wittler wird dies zu einer sehr wichtigen Reise. Ich selber habe viel, sehr viel gelernt durch dieses Buch, es liest sich nur sehr anstrengend, weil es in Tagebuchform verfasst ist. Den Film habe ich nicht gesehen, das lasse ich wohl auch bleiben.

Was mir durch dieses Buch bewusst wurde: Schönheitsideale sind immer Normen. Es gilt, sich dieser Norm zu unterwerfen, wenn eine/r schön sein will. Normen schränken ein und nehmen auf das Individuum keinerlei Rücksicht. Auch nicht auf den individuellen Körperbau. Menschen sind nun mal verschieden!
 
Mir geht es nicht darum, eine bestimmte Körperform als Ideal hinzustellen. Oder darum, dass dünn sein falsch ist, falsch sein muss. Mir geht es darum, wie fixiert wir (heute) auf das Aussehen sind. Dass diese äussere Form scheinbar dermassen wichtig ist, dass sie ständig Thema ist.

Ich kann diese Fokussierung auf äusserliche Merkmale eines Menschen nicht mehr ab.

Eine interessante Wendung ist, dass im Modellbereich jetzt eher Menschen gezeigt werden, die ganz und gar nicht der Norm entsprechen. Im Gegenteil. Vollkörpertatowierte Modells, Menschen mit Albinismus oder mit amputierten Köperteilen ..

Ich hoffe, dass dies nicht nur eine zeitgeistig angepasste Neuauflage der furchtbaren "Freakshows" vergangener Jahrhunderte ist, die schnell wieder aus der Moder gerät, sondern dass dies zu einer starken Bewegung wird, die bewirkt, dass es mehr VIELFALT an Körperbildern gibt.

Mich hat auch berührt, als ich auf Instagramm gesehen habe, dass es #breastcancertattoos gibt. Überlebende dieser Krankheit lassen sich wunderschöne Tattoos auf den versehrten Körper stechen. Stark. Einfach stark.

Wir sind alle INDIVIDUUEN! 
Jeder Mensch ist einzigartig .. Und diese Einzigartigkeit braucht Mut. Das Leben braucht Mut.
Manchmal sehr viel Mut. Und den wünsche ich mir. Für mich. Und für alle, die ihn nötig haben.




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