Der Po von Seite 2

Dass Frauenzeitschriften keine feministischen Zeitschriften sind, ist ja allgemein bekannt. Meine Welt deckt sich nur zu einem sehr geringen Prozentsatz mit diesen Heftchen. Ich lese gerne etwas Promi-Klatsch zwischendurch und schaue mir die Produkte, Accessoires und die Modestrecken an -- um dann bald wieder in meine eigene Welt einzutauchen. Ich identifiziere mich nicht damit und geniesse es doch hin und wieder ...

Was mir mehr zu denken gibt, ist die Alltagskultur abseits der Frauen- und Hochglanzmagazine. Auffällig wie konservativ und suggestiv sexistisch beispielsweise die beiden grossen kostenlosen Schweizer Pendlerzeitungen sind, die allmorgendlich und allabendlich ausliegen.

Da steht dann, wie toll der Knackpo von X. (gross abgebildet im Bikinihöschen) sich erhalten hat, wo doch die gute Frau bereits Mitte dreissig (!) ist -- und wie manche Frau da wohl neidisch darauf ist.

Da gehts nicht nur um die alte Weisheit "Sex sells" (der Po von X.), nein, da wird im subtilen Nachsatz noch eingeflüstert, was Frau zu fühlen und zu denken hat. Wie in diesen Ratgebern für die züchtige Hausfrau der 50er Jahre.

Trotz aller sexuellen Freizügigkeit in unserer Gesellschaft, hab ich manchmal den Eindruck, dass Sex zwar nicht erst seit gestern eine Ware ist, er aber immer billiger wird .. Sexualität und Erotik im Dauer-Ramschangebot. Mit einer befreiten Sexualität hat das für mich nichts mehr zu tun.

Mich ekelts zunehmend.

Kommentare

  1. Liebe Anne,

    sexuell freizügig ist halt noch lange nicht gleichzusetzen mit sexuell befreit. Das stelle ich immer wieder fest. Es gibt inzwischen Sexualforscher, die durchaus der Ansicht sind, dass die Menschen heutzutage verklemmter sind als je zuvor - dies aber durch eine übersteigerte, sexuelle Freizügigkeit zu kompensieren versuchen. Für mich macht das durchaus Sinn.

    Die Herabwürdigung des weiblichen Körpers findet doch überall statt. Wenn ich bedenke, welche Hexenjagdt inzwischen auf Frauen gemacht wird, die jenseits der 40 oder mit 50 noch ein Kind bekommen, während die alten Ehemänner gefeiert, mindestens aber in Ruhe gelassen werden, dann wird mir übel.

    In den Zeitschriften ist mir das auch schon oft aufgefallen, wie es heisst "sie ist noch so knackig, obwohl sie schon Mitte 30 ist" - was soll das denn bitte für ein Bild darstellen? Ich glaube, das ist aber auch gewollt so - nur mit Menschen, die diesen Mist glauben, lässt sich Geld verdienen. Die Jugendlichen tun mir ehrlich leid, mit was für einem Bild die da groß werden. Man kann nur hoffen, dass die Eltern gegensteuern können zu einem Teil und/oder sich später das eigene Gehirn einschaltet und ein bisschen was rettet von dem, was so kaputt gemacht wird.

    Lieben Gruss
    Clara

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